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You are hereGemeinsam im Boot mit dem Staatsministerium der Finanzen? – Die Junge GEW Sachsen im Gespräch mit dem Staatsminister Prof. Dr. Unland

Gemeinsam im Boot mit dem Staatsministerium der Finanzen? – Die Junge GEW Sachsen im Gespräch mit dem Staatsminister Prof. Dr. Unland


In einem Offenen Brief forderte die Junge GEW im Juli 2013 die Rücknahme der Erhöhung der zu haltenden Unterrichtsstunden im 24-monatigen Vorbereitungsdienst. Bei der Übergabe dieses Briefes an den Staatsminister der Finanzen kündigte dieser an, dass er der Jungen GEW in einem Gespräch gern seine Sicht auf die Lage aufzuzeigen möchte. Die Junge GEW war daher bemüht, eine möglichst breit aufgestellte Delegation zu diesem Gespräch am 1. August 2013 zu schicken. So konnten dem Minister auch viele Perspektiven aus verschiedenen Bereichen der Lehrer_innenbildung aufzeigen werden. Es waren Vertreter_innen aus dem Sprecher_innenkreis der Lehrer_innen im Vorbereitungsdienst anwesend, ein Vertreter der Absolvent_innen, die bei ihrer Zeugnisausgabe in Leipzig am 10. Juli in einer Rede ihrem Unmut Luft gemacht hatten, studentische Vertreter_innen der Lehramtsausbildung und schließlich das Sprecher_innenteam der Jungen GEW Sachsen sowie ein Sprecher der Jungen GEW auf Bundesebene.
 
Bevor der Minister jedoch seine Sicht darstellte, gab er den Anwesenden die Gelegenheit ihre Probleme darzustellen. So berichteten die anwesenden Lehrer_innen im Vorbereitungsdienst, welche ganz persönlichen Konsequenzen sich aus der Erhöhung der zu haltenden Unterrichtsstunden ergeben, aber auch welche Folgen es für ihre Kolleg_innen und Schulen hat, wenn Lehrer_innen im Vorbereitungsdienst mehr Stunden eigenständig unterrichten müssen. Beispielsweise können einige ihre Nebentätigkeiten nicht mehr weiter ausführen, mit denen sie sich bisher das Fahrgeld zur weit entfernten Ausbildungsschule erwirtschaften konnten, Familienväter finden sich in einer Situation wieder, in der sie sich nicht mehr in der Lage sehen, Familie und Ausbildung zu vereinen. In einigen Schulen kommt es bereits jetzt zu Spannungen mit Kolleg_innen, die durch die Erhöhung der Stunden der jungen Lehrer_innen nun mit Abordnungen rechnen müssen. Auch wiesen die Referendarinnen und Referendare auf den qualitativen Verlust hin, denn die Erhöhung bedeutet auch einen Wegfall von begleitetem Unterricht.
 
Herr Prof. Dr. Unland verwies zunächst immer wieder darauf, dass die Dienstanweisung - den Stundenumfang voll auszuschöpfen - nicht aus seinem Hause gekommen sei. Der immer wieder von der Jungen GEW aufgezeigte Zusammenhang, dass die Maßnahme zur Unterrichtssicherung aus einem Mangel an Ressourcen resultiere, konnte durch das Finanzministerium nur schwer nachvollzogen werden. Es gebe genügend Personen im System in Sachsen und die Klassengrößen lägen im Durchschnitt noch weit unter der Obergrenze – und damit meint er den Klassenteiler von 28 Schüler_innen. Der Hinweis auf die sich immer weiter zu Ungunsten der Lehrer_innen veränderten Rahmenbedingungen fand dabei keinen Konsens.
 
Vielmehr zeigte der Staatsminister dann tatsächlich seine Perspektive auf: Den Schüler_innenrückgang in den 90ern, die Beschäftigungssicherung, den ungesunden Altersbaum der Lehrer_innenschaft, jede Menge Zahlen, das Ungleichgewicht im System - und alles führe dazu, dass es jetzt schlecht aussehe und die Regierung aber alles daran setze, den Herausforderungen entgegenzutreten. Dabei sei das Schulsystem nichts anderes als eine großes Unternehmen, das wirtschaften muss; da könne man sich keine großen Überkapazitäten leisten, sondern da müsse man eher „Springer“ einsetzen, die temporäre Bedarfe an verschiedenen Schulen abdecken.
 
Gleichzeitig blieben Fragen der Jungen GEW hinsichtlich der anstehenden Bedarfe unbeantwortet. Warum man nicht heute jene Lehrer_innen einstelle, die man in den nächsten 2-5 Jahren brauchen wird und die nachweislich zum jetzigen Zeitpunkt nicht an den Universitäten immatrikuliert sind, konnte der Minister nicht erklären. Stattdessen wies er darauf hin, dass es in anderen Branchen ähnlich oder schlimmer aussehe. Folglich - forderte er die jungen Menschen im Raum auf – müsse man mehr positive Stimmung verbreiten und nun erst einmal abwarten, dass die getroffenen Maßnahmen wirken. Man befände sich schließlich in einem gemeinsamen Boot und müsse zusammen arbeiten.
 
Die Junge GEW entgegnete, dass man ebenfalls an Lösungen interessiert sei und bereit wäre, positive Stimmung zu verbreiten, wenn man denn das Gefühl bekäme, tatsächlich in einem gemeinsamen Boot zu sitzen, in dem zusammen über Lösungen diskutiert würde und Entscheidungen von allen Beteiligten mitgetragen werden könnten. Stattdessen aber, werden unreflektierte hoheitliche Entscheidungen getroffen und müssen von den Betroffen mit all den verbundenen Unwegsamkeiten ausgeführt werden. So kann keine positive Stimmung entstehen! Daher forderte die Junge GEW den Finanzminister auf, nach Wegen zu suchen, Lehrer_innen im Vorbereitungsdienst zu entlasten und eine bessere Perspektive für junge Absolvent_innen in Sachsen zu bieten. Denn mit aller Aussicht auf eine bessere Zukunft blieb bei vielen das Gefühl zurück, als eine Art Übergangs-Generation zwischen dem alten und dem neuen System zermahlen zu werden.

Da der Finanzminister an vielen Stellen des Gespräches den Hinweis darauf gab, dass solche Probleme in die Verantwortung des Staatsministeriums für Kultus oder der Universitäten lägen, wird die Junge GEW nun auch an diese Akteure herantreten und das Gespräch suchen.  Sie wird sich weiterhin für bessere Ausbildungsbedingungen und tatsächliche Zukunftsperspektiven für junge Menschen in Sachsen einsetzen.

 

David Jugel

Mitglied des Sprecher_innenteams der Jungen GEW Sachsen

(mehr zu Wahl des neuen Sprecher_innenteams erfahren Sie hier.)

 

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